Mit Champagner auf die Barrikaden

Mit Champagner auf die Barrikaden
Die Ausstellung “Ein Gespenst geht um in Europa“ in der Kunsthalle Barmen stellt Friedrich Engels als vielschichtige historische Persönlichkeit in seiner Zeit in den Mittelpunkt.


„ Proletarier aller Länder vereinigt euch!“
Wer kennt ihn nicht, den Schlachtruf des Kommunismus?
Er findet sich am Schluss des von Karl Marx und Friedrich Engels 1848 verfassten „ Kommunistischen Manifestes“, das mit dem denkwürdigen Satz beginnt: „Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus.“ – „ Ein Gespenst geht um in Europa – das ist auch der Titel der zentralen Ausstellung des Wuppertaler Engelsjahres 2020 in der Kunsthalle Barmen. Die wird allerdings nicht die Geschichte des Kommunismus erzählen, sondern die Lebensgeschichte von Friedrich Engels, der am 28. November 1820 als Fabrikantensohn in Barmen geboren wurde.

Wir setzen den Schwerpunkt auf das Leben und Werk von Friedrich Engels, indem wir die Lebensorte, an denen er tätig war, miteinander verbinden“, erläutert Dr. Lars Bluma, Leiter des Historischen Zentrums Wuppertal, der die Schau zusammen mit einem Kuratorenteam konzipiert hat. „ Elberfeld, Barmen, Köln, Paris, zur Revolution 1849 zurück nach Elberfeld, geflüchtet nach England, 20 Jahre in Manchester, dann London“, zählt Bluma Stationen von Engels´ bewegtem Leben auf. Dabei soll in der Ausstellung deutlich werden, wofür die Städte jeweils stehen: etwa für die Frühindustrialisierung in Deutschland, für die 1848er- Revolution, Brüssel und Paris als Stadt der Exilanten, Manchester für den Hochkapitalismus, London für das British Empire.

„ Wir wollen Friedrich Engels vor allem als historische Persönlichkeit zeigen, die tief verhaftet war in diesem 19. Jahrhundert“, erklärt Bluma. Schließlich lohnt es sich, diese äußerst vielseitige Persönlichkeit näher kennenzulernen: den Unternehmer und den Revolutionär, Schriftsteller, Philosophen, Journalisten, Visionär und Sozialkritiker, aber auch den geselligen Gastgeber, spendablem Freund und pflichtbewussten Sohn, der für die Arbeiter auf die Barrikaden ging und den Champagner liebte. Konsequenterweise endet der Ausstellungsrundgang dann auch mit Engels´ Tod 1895 in London. Einen Ausblick auf die Reflextionsgeschichte seiner Ideen gibt es ganz bewusst nicht:
„Zur Frage, wie sich Engels weiter ausgewirkt hat, wird es andere Programmpunkte im Wuppertaler Engelsjahr geben“, sagt Bluma. Er findet: „ Man muss erst zurückgehen und das 19. Jahrhundert verstehen, dann versteht man auch erst die Rezeptionsgeschichte.“ Anhand einer Vielzahl von Exponaten – u.a. persönliche Gegenstände Engels´, Manuskripte, Originalausgaben, Karikaturen, Bilder und vor allem zeitgenössischen Fotografien – soll die Atmosphäre der Zeit spürbar werden. Die Fotografie als das neue Medium des ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts wird laut Bluma dabei eine besondere Rolle spielen:“ Wenn man sieht, wie düster und dreckig es damals war, versteht man auch, warum Engels und Marx die Welt verändern wollten.“
Anne-Kathrin Reif

Details anzeigen

Unsere Aktivitäten im Engelsjahr 2020

Das Historische Zentrum und der Förderverein des Historischen Zentrums beteiligen sich mit einer Vielzahl an Veranstaltungen, Aktionen und Ausstellungen am Engelsjahr.
Wir treten dabei sowohl als aktive Organisatoren und Ausrichter in Erscheinung als auch als Kooperationspartner und Förderer.
Auf dieser Seite möchten wir Ihnen unsere Hauptaktivitäten kurz vorstellen.

Details anzeigen

Vortrag 03.03.2020 im Kontor 91

Kalkstein für die Industrialisierung. Eine Geschichte der Steinbrüche von Dornap.

Vortragsreihe Historisches Zentrum Wuppertal

Noch heute zeugen die riesigen Steinbrüche im Wuppertaler Westen von der enormen Bedeutung der Kalksteingewinnung in diesem Teil des Bergischen Landes. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts entstand rund um die Bahnstation Dornap ein riesiger Komplex von Steinbrüchen, Aufbereitungsanlagen und Kleinbahntrassen. Ausschlaggebend war aber nicht die Nachfrage nach Kalk als Düngemittel oder Baumaterial, sondern die massenhafte Verwendung des Rohstoffs in den Hochöfen des Ruhrgebiets. Seit den 1850er Jahren griffen Hüttenwerke auf das Gestein zurück, so dass Dornap zum wichtigsten Lieferanten von Kalkstein für die Eisen- und Stahlindustrie im Ruhrgebiet wurde. Als die zahlreichen Kleinbetriebe, die das Gestein bis dahin gefördert hatten, sich 1887 zu den Rheinisch-Westfälischen Kalkwerken zusammenschlossen, um den Markt zu monopolisieren, begannen die Unternehmen der Eisen- und Stahlindustrie ihrerseits, eigene Steinbrüche anzulegen. So kam es in den Jahren um 1900 zu einer weiteren Expansion der Kalksteingewinnung, die in Richtung Schöller, Gruiten und Wülfrath ausgriff. Im Zuge der Ausweitung kam es immer häufiger zu Konflikten mit Anwohnern, die sich über die Eingriffe und Gefahren der Steingewinnung beschwerten. Auch die aufkommende Heimatschutzbewegung kritisierte die Folgen des Abbaus. Während die Kalksteingewinnung in Dornap zu Beginn des 20. Jahrhunderts zunehmend an soziale Grenzen stieß, ging die Nachfrage der Eisen- und Stahlindustrie in der Zwischenkriegszeit spürbar zurück. Anfang der 1930er Jahre wurden viele der Steinbrüche in Dornap stillgelegt – einige für immer. Ein Vortrag von PD Dr. Sebastian Haumann, Historiker an der Technischen Universität Darmstadt.


Datum: 03.03.2020, 19.00 Uhr
Ort: Kontor 91, Werth 91, Wuppertal Barmen
Dieser Vortrag ist Kostenfrei
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich

 

Details anzeigen
Top