Modernisierung des Museums

Im Rahmen eines umfassenden Sanierungs- und Modernisierungsprogramms für Engels-Haus und Museum für Frühindustrialisierung werden die Ausstellungsgebäude des Historischen Zentrums ertüchtigt und saniert. Hierzu wurde die Dauerausstellung in Engels-Haus, Reddehasesche Remise und Kannegießersche Fabrik geräumt. Aufgrund der schrittweisen Entwicklung des Museums in den vergangenen vierzig Jahren sind die Gebäudeteile solitär gewachsen. Es ist daher notwendig, die unterschiedlichen historischen Gebäudeteile unter einem inhaltlichen und baulichen Gesamtkonzept zusammenzuführen. Dazu soll die Beziehung der Baukörper neu definiert werden, indem sie durch ein zentrales Besucherzentrum verbunden werden. 


Engels-Haus

Das Engels-Haus aus dem Jahre 1775 stellt ein idealtypisches Beispiel der bürgerlichen Bau- und Wohnkultur im Zeitalter der Frühindustrialisierung dar. Sein besonderer Charakter als historisches Bauobjekt soll künftig selbst zur Wirkung kommen - sozusagen als ein begehbares Exponat, das dem Besucher authentische Einblicke verleiht. Dazu ist eine weitgehende Rückführung des Gebäudes in seinen historischen Erbauungszustand geplant. Durch Ertüchtigung der Funktionalitäten soll das Engels-Haus auch künftig eine Dauerausstellung zu Leben und Werk von Friedrich Engels präsentieren. 

Das Engels-Haus wurde Anfang November 2016 vollständig geräumt und für eine umfängliche Sanierung geschlossen. Der erste Schritt war eine umfangreiche Bauforschung, die das Gebäudemanagement Wuppertal in Abstimmung mit dem Denkmalschutz in Auftrag gab. Hier ging es darum, das denkmalgeschützte Bauwerk in seiner Historie zu untersuchen und zu dokumentieren, um darauf aufbauend fachgerecht und umfassend sanieren zu können. 

Die 1983 /2003 eingerichteten und seitdem immer wieder fortgeschriebenen Ausstellungsbereiche im Engels-Haus und im Museum für Frühindustrialisierung verfolgten eine doppelte Strategie: sie bieten einerseits Informationen über die Lebensgeschichte (Familie, Ausbildung, berufliche und private Lebensverhältnisse) des Friedrich Engels als Unternehmer und Praktiker modernen Wirtschaftshandelns. Andererseits stellt die Darstellung der technik-, wirtschafts- und sozialgeschichtlichen Entwicklung die Biographie in den Kontext der Industrialisierung. Diese Verknüpfung zwischen Biographie, Sozial- und Ideengeschichte soll auch in der neuen Dauerausstellung im Engels-Haus verwirklicht werden.

Die Wiedereröffnung des Engels-Hauses ist rechtzeitig zum 200. Geburtstag von Friedrich Engels am 28.11.2020 geplant.


Museum für Frühindustrialisierung

Das Museum für Frühindustrialisierung wurde als sozial- und technikhistorisches Museum konzipiert, 1983 eröffnet und 2003 durch eine sozial- und wirtschaftshistorische Erweiterung von 450 qm auf nun insgesamt 2.000 qm Ausstellungsfläche ergänzt. Es thematisiert die Industrialisierung als eine der wichtigsten historischen Entwicklungsmerkmale des 19. Jahrhunderts am Beispiel der Textilindustrie der Region. Jedoch sind Modernisierungen sowohl  im medialen Bereich als auch im IT-System und Kassen-/Zugangsbereich erforderlich. Aufgrund der „patchworkartigen“ Entwicklungsgeschichte der verschiedenen Museumsteile (1983/2003/2006) ist die Empfangs- und Eingangssituation des Museums unübersichtlich und dysfunktional mit nachteiliger Auswirkung auf den Personaleinsatz. Zudem machte der Brandschutz eine Sanierung des Daches erforderlich.

Die Dauerausstellung im Museum für Frühindustrialisierung soll im Rahmen des umfassenden Modernisierungs- und Sanierungsprogramms (Weiterentwicklung des Historischen Zentrums) realisiert werden. Das Wuppertal wird als frühe Pionierregion der Industrialisierung auf dem europäischen Kontinent gezeigt. Voraussetzungen, Ablauf und Folgen der Industrialisierung (technisch, wirtschaftlich, sozial und ökologisch) sind die leitenden Themen der neuen Sonderausstellung, die den spezifischen Industrialisierungspfad im Wuppertal nachzeichnen wird. Ziel der Dauerausstellung ist es, die frühe Industrialisierungsgeschichte Wuppertals in einem breiten historischen Kontext zu vermitteln.

In der Reddhaseschen Remise und Kannegießerschen Fabrik sollen die sozialen, ökonomischen, naturräumlichen und technischen Voraussetzungen und Folgen der Frühindustrialisierung in Wuppertal über die acht Themenschwerpunkte „Industrialisierung vor der Industrialisierung“, „Boomregion Wuppertal/Industrialisierung“, „Urbanisierung“, „Umweltgeschichte“, „Technische Innovationen“, Sozialer Wandel“ und „Wuppertal heute: Transformationsstadt, Innovationsregion?“ dargestellt werden. Die Besucher sollen in die Lage versetzt werden, über die historische Reflektion Verbindungen zu Gegenwartsproblemen herzustellen. Damit nimmt die Dauerausstellung eine wichtige Brückenfunktion wahr, die zwischen Vergangenheit und Gegenwart vermittelt und Orientierungswissen für die Zukunft bereitstellt. In die Ausstellungplanung sind Großobjekte wie z.B. Textilmaschinen, Kutsche, Dampfmaschine zu berücksichtigen. Einige historische Geräte und Maschinen werden betriebsbereit gehalten und den Besuchern vorgeführt, um deren Funktionsweise nachvollziehbar und verständlich zu machen. So erhalten die Besucher einen faszinierenden Eindruck von den historischen Arbeitsverfahren und können selber Hand anlegen. Auf Grund der Gebäudestatik soll ein Großteil der Maschinen gebündelt im Erdgeschoss der Remise präsentiert werden. Die Dauerausstellung wird gefördert vom Landschaftsverband Rheinland.

Im Erdgeschoss der Kannegießerschen Fabrik wird in Zukunft ein Cafe/Bistro mit attraktivem Außenbereich und ein Museumsshop für die Besucher zur Verfügung stehen.

 


Neues Besucherzentrum

Das städtische Gebäudemanagement (GMW) hat einen neuen Entwurf für den Verbindungsbau des Historischen Zentrums vorgelegt. 

Nötig geworden waren die Neuplanungen aufgrund der Kostensteigerungen am Bau. Oberbürgermeister Andreas Mucke ist begeistert von dem neuen Entwurf: „Das GMW hat sich mit seinen kreativen Kolleginnen und Kollegen Gedanken gemacht, und dabei ist diese tolle Lösung herausgekommen. Der neue Entwurf für das Museumsfoyer trägt und inszeniert das Gebäude-Ensemble, ohne sich selbst in den Vordergrund zu stellen. Unser Historisches Zentrum wird dadurch insgesamt aufgewertet und mehr Besucher anziehen. Und: Die Kosten bleiben im Rahmen!“

Der neue Entwurf ist auch schon dem Wirtschaftsministerium vorgestellt worden, das den Bau mit 4,7 Millionen Euro unterstützt. „Wir haben zu den Planungsskizzen dort positive Rückmeldungen bekommen“, sagt Stadtdirektor Dr. Johannes Slawig. Er rechnet Anfang 2020 mit einem Änderungsbescheid des Landes. „Mit diesem Entwurf bleiben wir zudem in dem Kostenrahmen, den der Rat beschlossen hat.“ 5,3 Millionen sind als städtischer Anteil eingeplant.

Eine Erleichterung auch für den Kulturdezernenten: „Damit haben wir zum Ende des Engelsjahres eine neue, moderne Eingangssituation für das Historische Zentrum“, erklärt Matthias Nocke. So stehe der neuen Präsentation der Dauerausstellung, die ebenfalls vom Land gefördert wird, nichts mehr im Wege. Auch Museumsdirektor Dr. Lars Bluma begrüßt den neuen Entwurf – sowohl von der Funktionalität als auch von der Ästhetik.

Für das Gebäudemanagement macht dessen Chef Dr. Hans Uwe Flunkert deutlich, wie sich die Baukosten in den vergangenen Jahren entwickelt haben: „Eine wahre Springflut: Steigerungen von bis zu acht Prozent pro Jahr!“ So habe man die Notbremse ziehen müssen, um die Kosten nicht aus dem Ruder laufen zu lassen.

Der neue Entwurf sieht vor, die Baukonstruktion an vielen Stellen zu vereinfachen. So wird die Gründung weniger aufwendig, da das neue Gebäude nicht direkt an die historischen Nachbarn herangebaut wird und keine aufwendigen Sicherungen der Fundamente nötig sind. Stattdessen wird der Verbindungsbau mit verglasten Stegen mit Engels-Haus und Museum für Frühindustrialisierung verbunden. Außerdem bekommt er drei Geschosse, auf die die Funktionalitäten verteilt werden. So ist beispielsweise das Foyer vom Veranstaltungsbereich getrennt – was möglich macht, dass beides gleichzeitig genutzt werden kann. „Das Gebäude wird mit seinem luftigen Foyer eine große Transparenz haben und Einblicke in die historischen Museumsbauten bieten“, erklärt GMW-Architektin Stefanie Hentrich.

Energietechnisch wird das neue Entree auf dem aktuellsten Stand sein: Mit intelligentem, von außen installiertem transparentem Sonnenschutz aus Metallgewebe, mit einem Gründach und höchster Energieeffizienz. Außerdem wird es in jeder Hinsicht barrierefrei – mit Rampe, Aufzug und einem Leitsystem für Sehbehinderte.

Der Neubau wird zum Beginn des Engelsjahres noch nicht fertiggestellt sein, es werden wohl aber Treppenhaus, Aufzug und Toiletten zur Verfügung stehen, um die Erschließung für Engels-Haus sicherzustellen.

(Pressemitteilung der Stadt Wuppertal: https://www.wuppertal.de/presse/meldungen/meldungen-2019/oktober19/neuplanung-historisches-zentrum.php)


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